Kita-Krise: Stadteltern-Vertretung warnt vor dramatischer Lage

Die Kreis- und Stadtelternvertretung Lübeck äußert sich besorgt angesichts der aktuellen Situation für Kinder und Eltern in der Hansestadt, insbesondere im Kontext der kürzlich veröffentlichten Bertelsmann-Studie. Unter dem Titel "Die Situation für Lübecker Kinder und Eltern ist dramatisch!", prangert die Vertretung die akute Kita-Krise an.

Mascha Benecke-Benbouabdellah, Co-Vorsitzende der Kreis- und Stadtelternvertretung Lübeck, zeigt sich besorgt angesichts des aktuellen Kita-Notstands: "In Schleswig-Holstein fehlen derzeit 15.600 Kitaplätze, davon 522 in Lübeck. Statt das System finanziell zu stärken und allen Kindern Zugang zur frühkindlichen Bildung zu ermöglichen, wird vorgeschlagen, die Betreuungszeiten auf 6 Stunden täglich zu begrenzen. Diesen Vorschlag halten wir für inakzeptabel."

Die Kreis- und Stadtelternvertretung Lübeck sieht in der Reduzierung der Betreuungszeiten eine untragbare Lösung, die insbesondere Mütter in die Teilzeitarbeit drängen würde, was einem gesellschaftlichen Rückschritt gleichkommt. Die Vertretung betont die drohende Armut für Alleinerziehende und fordert eine politische Priorisierung für eine qualitativ hochwertige Kinderbetreuung.

Mascha Benecke-Benbouabdellah berichtet von besorgniserregenden Anfragen von Eltern, die auf der Suche nach Kitaplätzen sind, und von bereits betreuten Kindern, bei denen die vereinbarten Betreuungszeiten nicht eingehalten werden können. "Die Situation ist dramatisch. Es darf jedoch keine Lösung sein, sich mit der Situation abzufinden und die Betreuungszeiten weiter zu verkürzen, so wie es Trägervertreter oder auch Politik schon in Betracht gezogen haben.“

Die Elternvertretung unterstreicht die Bedeutung frühkindlicher Bildung als Schlüssel zur sozialen Gerechtigkeit. Angesichts der anhaltenden Armut bei jedem vierten Lübecker Kind sei eine Investition in qualitativ hochwertige und inklusive Kinderbetreuung unerlässlich.

Michael Sommer, Vorstandsmitglied der Kreis- und Stadtelternvertretung und selbstständiger
Unternehmer, kritisiert den Vorschlag einer Betreuungszeitreduktion auch wirtschaftlich: "Der Vorschlag ist nicht vertretbar, da er den Fachkräftemangel in den Kitas zwar verringern will, aber gleichzeitig Fachkräfte an anderer Stelle abzieht. Eltern, die nach der Elternzeit wieder einsteigen möchten, können mit einer 6-Stunden-Begrenzung nicht kostendeckend handeln, und Arbeitgeber finden keine Mitarbeiter für Aufgaben mit längeren Arbeitszeiten."

Sandra Faasch, Vorstandsmitglied der Kreis- und Stadtelternvertretung und selbst Erzieherin, weist auf die praktischen Unmöglichkeiten einer solchen Betreuungszeitreduktion hin. "Die Vorstellung, dass alle Kinder zur selben Zeit betreut werden, würde zusätzlichen Raumbedarf schaffen, der utopisch ist. Die Begrenzung auf 6 Stunden täglich ist daher völlig unrealistisch."

„Es ist die Verantwortung aller politisch Handelnden, Familien zu entlasten. Es ist nicht hinnehmbar, dass Eltern die Lasten einer verfehlten Kitapolitik allein tragen sollen", so Mascha Benecke-Benbouabdellah weiter. Die Kreis- und Stadtelternvertretung Lübeck appelliert an politische Entscheidungsträger auf allen Ebenen, die Kinderbetreuung als oberste politische Priorität zu setzen und die strukturellen Probleme des Systems zu analysieren und zu beheben, um eine nachhaltige Lösung für die akute Kita-Krise in Lübeck zu finden.

Die Kreis- und Stadtelternvertretung Lübeck vertritt die Interessen aller Kinder und Eltern in den Lübecker Kitas, Kindertagespflegen und den Horten. Am 1. November 2023 hat sie sich neu konstituiert. Co-Vorsitzende sind Yana Wagner und Mascha Benecke-Benbouabdellah. Stellvertretende Vorsitzende Katrin Sturm und René Weigel.

Eure Kreiseltern- vertretung für:
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