Eine unheilige Allianz: KiTa-Reform und Corona bringen Eltern und Träger an ihre Grenzen

Laut Rückmeldungen von Eltern aus verschiedenen Kindertageseinrichtungen steigen derzeit die Fälle von Betreuungsreduzierungen in Kitas in einem Maße an, dass eine verlässliche Betreuung für berufstätige Eltern nicht mehr gewährleistet ist und zunehmend Kitaverträge einseitig in erheblichem Maße von Trägern nicht eingehalten werden können. Betroffen sind hiervon gleichermaßen Kitas in städtischer und freier Trägerschaft. Juristische Auseinandersetzungen zwischen Eltern, Kitaträgern sowie dem Träger der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe wegen Nichterfüllung der Kitaverträge und dadurch bedingte Lohnausfälle der Eltern sind vorprogrammiert.

„Die Covid-19-Pandemie zeigt hier einmal mehr, dass die Personaldecke für Kindertageseinrichtungen grundsätzlich zu dünn kalkuliert scheint. Rein rechnerisch ist der Betreuungsschlüssel vermutlich erfüllt oder sogar übererfüllt. In Wirklichkeit aber fehlt das Personal in den Einrichtungen aufgrund von Langzeiterkrankungen, coronabedingt verstärkten Krankmeldungen sowie seit Jahren vakanter Stellen im städtischen Springerpool. Zusätzlich ist es aufgrund von Corona ausgeschlossen, dass pädagogische Kräfte anderer Kohorten einspringen,“ so Nicole Lindenberg, Vorsitzende der Kreiselternvertretung Lübeck. Hinzu komme der bekannte Fachkräftemangel und die KiTa-Reform. „Bereits jetzt ist bei einigen Kitaträgern klar, dass der grundsätzlich zu begrüßende bessere Betreuungsschlüssel nach dem neuen KiTaG ab dem 01.01.2021 weitere und auch steigende Teil- und Vollschließungen von Kitagruppen zu Folge haben wird, weil das Personal fehlt, beziehungsweise nicht finanziert wird“, so Lindenberg.

Hanna Richter, Mutter eines Krippenkindes in einer Krippe des Kitawerk berichtet: „Seit September haben wir bis jetzt bereits 14 Tage Teilschließungen, das heißt statt 20 Krippenkindern werden nur 10 betreut und zusätzlich häufig die Betreuungszeiten eingeschränkt. Seit vergangenem Dienstag haben wir aufgrund einer Coronaerkrankung eine Vollschließung in der Krippe bis zum 23.11.2020. Nun hat uns das Kitawerk auch noch mitgeteilt, dass ebenfalls vom 24. bis 27. November eine Teilschließung der Krippe erfolgen werde. Ob die Woche darauf wieder regulär betreut werden könne, ist aktuell auch noch ungewiss. Mit Berufstätigkeit ist diese unzuverlässige Kinderbetreuung nicht mehr zu vereinbaren und zudem ist es für die Krippenkinder pädagogisch äußerst problematisch.“

“Die Eltern sind endgültig am Limit des Leistbaren. Sie haben keine Kinderkrank- und keine Urlaubstage mehr, um diese weiteren und steigenden Betreuungsausfälle zu kompensieren”, ergänzt Frau Lindenberg die Ausführungen der Mutter. Sie erklärt weiter: „Im Gegensatz zu der Stadt als Kitaträger wollen viele Freie Träger aus wirtschaftlichen Gründen zum Nachteil der Eltern keine Entgelterstattung für geschlossene oder reduzierte Kitatage leisten oder können dies auch aufgrund der Kitareform nicht. Derzeit völlig überflüssige rechtliche Auseinandersetzungen zwischen Eltern und Kitaträgern sind hier vorprogrammiert“, so die Vorsitzende der Kreiselternvertretung. Nach den der Kreiselternvertretung vorliegenden Informationen müssen die Träger nach dem neuen Kitagesetz ab dem 6. Tag einer Schließung Fördermittel an die Stadt zurückgeben, während die Lohnkosten durch die Träger natürlich weiter zu leisten seien. Hinzu komme, dass die Stadt mindestens gegenüber einem großen Träger in erheblichem Zahlungsverzug sein soll, was die Situation zusätzlich verschärfe.

Mascha Benecke-Benbouabdellah, Delegierte Kreiselternvertreterin im Jugendhilfeausschuss berichtet:

„Wir haben diese Problematik in den Jugendhilfeausschuss am 12.11.2020 gegeben, mit der Bitte um Information, welche Pläne die Verwaltung habe, um diese für Eltern und Kitaträger unhaltbare Situation zeitnah für alle Betroffenen zu verbessern. Leider wurde uns anstelle einer Antwort mitgeteilt, dass wir eine schriftliche Antwort zum kommenden Ausschuss im Dezember erhalten würden. Mir fehlt für diese Reaktion jegliches Verständnis. Es ist für uns als Kreiselternvertretung absolut inakzeptabel, dass die Jugendhilfeausschussmitglieder der Verwaltung die Eltern, Kitas und Kitaträger derzeit so im Regen stehen lassen und sich noch nicht mal in der Lage sehen, eine erste mündliche Antwort auf unsere Anfrage zu geben.“

Eure Kreiseltern- vertretung für:
Eure Kreiseltern- vertretung für: